huehnermanhattan  
 
  Geschichte vom Hühnermanhattan und dem Areal 29.03.2017 11:07 (UTC)
   
 



1914 Thiem&Töwe Fabrik, heute Hühnermanhattan

1. Wie Hühnermanhattan seinen Namen bekam
von sieben Schuppen zu sieben Häusern

2. Von der Kerzenhandlung zur Gaslampenfabrik
Wie ein echter Rembrandt verkauft wurde, damit die Fabrik die Produktion aufnehmen konnte.
2.1. Die Story über Richard Wagners Nase
2.2. Zur Kulturgeschichte des Gaslichts

3. Vom Gaslicht zum größten Neonreklamehersteller des Ostblocks

4. Quellen und Literatur

 

1. Wie Hühnermanhattan seinen Namen bekam
von sieben Schuppen zu sieben Häusern

 Hühnermanhattan ist seit 1998 ein Ort in Halle. Zunächst waren es einige aus Abrißhausmaterialien gebaute Ställe neben einem besetzten Haus in der Großen Steinstrasse 16.

Als dann die ersten Hühner in die Ställe einzogen, ahnte niemand, dass es sich bei der zugelegten Hühnerrasse um Riesenhühner, den Shanghai-Cochin handelte. Ausgewachsen sahen sie aus wie Tiffi aus der Sesamstrasse. Aus diesem Grund mussten zwei Mal neue Ställe gebaut werden, die mit den wachsenden Hühnern ebenso immer höher in den Himmel ragten. Wegen der Wolkenkratzer von Hühnerställen ward schließlich der Name Hühnermanhattan kreiert. Es gab irgendwann einen Prozeß wegen Baufreiheit und eine exorbitante Schadensersatzforderung wegen eines angeblich vermasselten Verkaufs vor dem Landgericht, doch die Eigentümer konnten ihren Willen nicht durchsetzen. Dazu kam das Räumung und der Abriß der 7 Schuppen wegen Baufreiheit völlig sinnlos war, weil selbst 15 Jahre später immer noch kein neues  Haus gebaut wurde, wenn man mal von dem Gemüseverkaufs-Container absieht.

Neben den Ställen eröffnete der "Verein Künstler gegen bröckelnden Putz" den Optiker, einen Klub, für künstlerische Shows, Bands, Lesungen und gesellige Treffen.

Später gab es auch die Hühnermanhattan Radioshows und die Features, beim freien Radio Corax. Ab 2002 zog Hühnermanhattan um und das damalige Klubinventar vom Optiker fand jetzt im Diesterweghaus am Steintor in Halle Platz. Dort gab es 7 Jahre lang den Hühnermanhattan Klub, als freier Träger der Jugendhilfe von der Stadt ab 2005 anerkannt. Als das Haus saniert werden sollte, zog Hühnermanhattan nach langer Suche eines neuen Standorts mit den Initiativen 200 Meter weiter in die ehemalige VEB Neontechnik Fabrik um, wo sich zu dieser Zeit bereits viele Bandproberäume befanden. Dort gab es statt sieben Ställen nun sieben Häuser.
Seit dem bauen die Aktiven vom Hühnermanhattan weitere Räume aus für Bands, als Künstlerateliers und Studios für Keramiker sowie für Bildhauer und bieten in unserem neuen Jugendklub vorrangig Nachwuchsbands ein Podium.
Legendär ist die Anfangsfinazierung. diese wurde durch den Verkauf von 10000 Hasenbildern vorgenommen. Das Grundstück selbst kaufte Gabriel Machemer durch den Verkauf von 1200 Eselbilder. Aber die Kunst als Ware zu begreifen hatte schon 1900 der erste Besitzer zu verstanden gewußt.

 

2. Von der Kerzenhandlung zur Gaslampenfabrik
Wie ein echter Rembrandt verkauft wurde, damit die Fabrik die Produktion aufnehmen konnte.

 


Adolph Thiem (1832-1923) war ein Kunstmäzen, Sammler und Bankier aus Halle Saale, er finanzierte den Aufbau der Thiem& Töwe Gasbeleuchtungs Fabrik. das Bild ist dem Buch von Henry Thode entnommen: Paul Thiem und seine Kunst aus dem Jahr 1921



"Adolph Thiem"  Gemälde des Starnberger Malers Franz von  Lenbach 

Das Gelände in der Hordorfer Straße 4 in Halle war von 1902-1923 im Besitz der Gesellschafter Thiem & Töwe, die Apparate zur Erzeugung von Benoidgas zur privaten und städtischen Energieversorgung herstellten. Das Geld stammte vom Hallenser Kunstsammler Adolph Thiem, der seinem Sohn Walther Thiem das nötige Kapital zur Errichtung der Fabrik verfügbar machte. Er verfolgte aber auch ganz praktische Interessen, nämlich eine angemessene Beleuchtung für seine Berliner Villa Sedantraße 10 zu finden und für das Sommerhaus in San Remo (Villa Nosedo) sowie die Thiem Villa in Starnberg, wo Paul Thiem der ältere Bruder von Walter Thiem wohnte, welcher ab 1880 Kunst in München studiert hatte.

Adolph Thiem verkaufte in dem Zusammenhang 1903 seine umfängliche Kunstsammlung an Kaiser Wilhelm für 480000 Reichsmark. Hierbei sei erwähnt, dass die Thiem-Sammlung  bei der Eröffnung des Bodemusums in Berlin neben der Sammlung von James Simon zur umfangreichsten und wertvollsten zählte. Selbige hätte auf dem freien Kunstmarkt insbesondere in Amerika ohne lange Verhandlungen rund zwei Millionen Mark eingebracht. Thiem hatte 1902 noch dieverse Angebote für seiner Niederländersammlung ausgeschlagen als er mit seinen Bildern er an einer internationalen Schau in Brügge teilnahm. Daher konnte und wollte Thiem die Bilder nicht verschenken.  Außerdem brauchte Thiem das Geld für seine Casinoanteile in Sanremo, das ab 1905 gebaut wurde.

Unter den Gemälden war auch das bekannte Bild "Das Ballsouper" des Malers Adolf von Menzel. Dieses besticht durch die besonders ausgestalteten Kronleuchter und Lichtspiegelungen und war ein Auftragswerk Thiems, der scheinbar schon in den 1870iger Jahren einen Faibel für Beleuchtung gehabt hatte. Schließlich mussten die Bilder holländischer Meister und der Schule von Barbizon zur Geltung gebracht werden. Interssant ist in dem Zusammenhang, dass Adolph Thiems Mutter eine Licht, und Seifenhändlerin war und einen Laden in der Leipziger Strasse besaß.


Auch das Menzel Bild "Reisepläne" war eine gewisse Zeit im Besitz von Adolph Thiem und der "Blick aus dem Zimmer" darüber hinaus weitere Bilder wie "Siesta" und "Dame bei der Toilette" Thiem war für Menzel lange Zeit einer der wichtigsten Förderer, als es ihm finanziell in den 1870er Jahren nicht so gut ging, so die Menzelbiographen.


Die schönsten Gemälde insbesondere mehrere Gemälde der italienischen Frührenaissance behielt Thiem sein Leben lang wie den Tiepolo, der erst 1923 von seinem Sohn Walther weiterverkauft wurde und so nach Ottava in die kanadische Nationalgalerie kam, dank der sauber aufgeführten Proveniance Herkunftsnachweise, kann man sehr gut verfolgen wie dieses  Bild nach Kannada kam. Interessant ist zu diesem Bild noch das Paul Thiem der Maler seine Doktorarbeit über Tiepolo verfasste. Dank InternetSUCHTmaschinen findet man  verstreut über die ganze Welt den Namen Adolph Thiem in internationalen Museen in Sammlungen wie der Frick Collection das Bild Bildnis einer jungen Dame von ter Borch und hin und wieder Funde bei Christies in den Versteigerungen. Fälschlicherweise wird er auch als Alfred Thiem geführt, vielleicht wegen seines eigentlich despotischen Vornamens, bei dem man an Oberlippenbärtchen und Seitenscheitel denkt, mancherorts heißt er nur Baron Thiem aus San Remo oder A. Thiem. Zumindest kann man auch Tintorettos, Bildnis eines Knaben finden, das mit Thiem als Vorbesitzer geführt wird. In Thomas Hermsen Sachbuch: "Kunstförderung zwischen Passion und Kommerz: vom bürgerlichen Mäzen zum Sponsor der Moderne", wird Adolph Thiem sogar in einer Reihe mit den wichtigsten Kunstsammlern des 19. Jahrhunderts genannt. Er sammelte auch Wandteppiche, wie aus den Akten des Kaiser Wilhelm Museums hervorgeht. Obgleich Thiem nach der Schenkung 1904 vertraglich festgelegt hatte, dass die Sammlung zusammenbleiben sollte, wurde 1938 unter anderem der Wandteppich "Raub der Europa" an Hermann Göring verliehen und kam kurz vor Kriegsende nach Bonn und hängt dort heute im Rathaus. In der Liste der geraubten Kunst von Göring taucht auch der Name Thiem als Vorbesitzer bei Hans Rottenhammers Fehltritt des Kallistos auf

Anbetung der Marie von Tiepolo



Tintorettos "Bildnis eines Knaben" wurde 1923 an Paul Cassierer verkauft.

 
 
 

2.1. Die Story über Richard Wagners Nase

Erstaunlich ist auch das Adolph Thiem eine Büste von Richard Wagner 1906 bei Fritz Schaper einem halleschen Bildhauer Auftrag gab, um auf seine Kosten ein Denkmal in Venedig erichten zu lassen. Dazu musste Schaper sein bereits seit 1881 vorhandenes Tonmodel vergrößern.  Diese vergrößerte Skulptur steht heute noch am Sterbeort Wagners im Bienalepark Giardino Pubblico Venedig und schaut dort auf den Lido. Sie wurde als Ausstellungsbeitrag 1908 zu einer der ersten Bienalen Venedigs eingeweiht. Zahlreiche Abgüsse dieses größeren Originals sind heute in öffentlichen Sammlungen in Berlin oder in Eisenach in Wagner Museen zu finden. Als in Venedig unbekannte Vandalen die Nasen von Wagner und Verdi abschlugen plante Gabriel Machemer, der sich in der Tradition von A. Thiem verpflichtet sah, durch den Verkauf von zahlreichen Wagnerportraits die Restaurierung zu finanzieren. Leider kam nach anfänglichen Dankesworten von den für die Büsten zuständigen Betreibern der Bienale in Venedig keine weitere Antwort, so das die ersten gesammelten Gelder zum Bau eines etwas besseren Holzschuppens auf Thiems ehemaligen Fabrikgelände verwendet wurden. Das Gerücht die abgeschlagene Nase vom Wagner wäre nun am Volkmann Denkmal in Halles Magdeburger Strasse verbaut worden, machte die Runde weil der Zufall es wollte, das die Nase vom stark verwitterten Leander Volkmann plötzlich in der Restaurierungszeit wieder aufgefunden wurde, kurz nachdem sie bei Wagner in Venedig fehlte.

 




Auf dem Fabrikgelände von Thiem & Töwe in Halle entstanden ab 1902 Produktionsgebäude und es erfolgte 1906 der Umbau beziehungsweise die  Erweiterung eines bereits 1860 errichteten Kontorgebäudes in die heutige Jugendstilvilla, in der auch Walther Thiem lebte.




Neben Gaszentralen baute Thiem&Töwe auch alle Arten von Wasserpumpen und Hauswasserwerke.  Damit konnte Thiem&Töwe nun eine Komplettversorgung für Häuser anbieten, die etwas abseits lagen. Stadtvillen im Speckgürtel oder Landsitze konnten damit den selben Luxus wie Licht und fließend Wasser bieten, wie er in den Ballungszentren möglich war. Denn in den großen Städten gab es ja die großen Gasometer und Wassertürme. 




Obgleich es bereits elektrisches Licht gab, hielt man gerade für größere Räume auf Bahnhöfen in Villen und Museen an der Gasbeleuchtung und der Verbesserung der Leuchtkraft fest. Diese war heller und sparsamer im Verbrauch als elektrisches Licht. Solange Arbeitskraft und damit verbundener Lohn nicht ins Gewicht fiel nahm man die wartungsintensiveren Gasanlagen billigend in Kauf. Die Glühstrümpfe mussten beispielsweise sechs Mals so oft gewechselt werden wie elektrische Glühbirnen. Hinzu kam das regelmäßige Auffüllen des Gasolins, dem Brennstoff, der mit Luft unter Druck in die Leitungen gepresst wurde.



Die Ingeneursarbeit dazu wurde von Max Töwe geleistet, der 1903 ein neues Verfahren zur Erzeugung von Benoidgas entwickelt und patentiert hatte. Dieses Leuchtgas war sparsam im Verbrauch, brannte hell und war praktisch rußfrei.
1905 hatte Thiem & Töwe bereits etwa 400 dieser Maschinen im Einsatz, hauptsächlich jedoch nur für Einzelgebäude. Der erste G
roßauftrag Laternen für einen ganzen Ort, ließ den Sohn Walther 1905 um ein Darlehen des Vaters bitten, jener gab daraufhin seinen Rembrandt zum Verkauf frei. "Der Mann mit dem Stahlkragen" kam so über die Paris-New Yorker Galerie Gimpel und Wildenstein für 120000 Dollar an Benjamin Altmann,  der das Gemälde später dem Metropolitan Museum schenkte. *(siehe Quelle 1) Da die Urheberschaft heute bezweifelt wird, könnte es durchaus sein, das Paul Thiem, der Maler aus Starnberg das Gemälde angefertigt hatte.
 
 
Die ersten beiden Großaufträge konnten vorfinanziert werden, so das für Bad Berga und die Stadt Laage eine Anlage zur städtischen Versorgung eingerichtet werden konnte. 70 Hausanschlüsse und 30 Straßenlaternen wurden von zwei Maschinen mit einer stündlichen Gaserzeugungskapazität von 23 m³ versorgt.
In Bad Berka wurde die Firma Thiem & Töwe 1905 mit der Einrichtung einer Gaszentrale beauftragt, mit der das alleinige Recht zur Erzeugung, Abgabe und Verteilung von Licht und Heizung auf die Dauer von 30 Jahren verbunden war. Die Stadt verpflichtete sich, keine weiteren Licht- und Heizungsanlagen auf städtischem Grund und Boden zu gestatten. Die Zentrale wurde in der Bachgasse/Ecke Harthstraße (heutige Bachstraße 1) errichtet und ging am 1. Mai 1906 in Betrieb. Am 16. Mai wurde die mit Benoidgas betriebene Straßenbeleuchtung bestehend aus 48 Straßenlaternen eingeweiht.

Nachweislich wurde auch der Übergangsbahnhof in Skalmierzyce in Polen mit einer Anlage ausgerüstet. Für die damaligen Verhältnisse war es günstiger eine Gasanlage zur Beleuchtung zu betreiben. Das Licht war heller und man war unabhängig von Stromversorgern. Doch im Zuge der Elektrifizierung wurde die wartungsintensive Benoidgasanlage durch Glühlampen ersetzt.

Adolph Thiems Sommerhaus befand sich in San Remo einem damaligen Hot Spot der politischen Elite. Sowohl Zar Nikolaus von Rußland als auch englische Botschafter wohnten Haus an Haus mit dem deutschen Herrscher Friedrich dem III. Es war quai das Wandlitz des Europas vor 1900.  Als die Geschäfte mit den Thieme&Töwe Komplettanlagen zu Beginn des 20 Jahrhunderts auf dem Höhepunkt und die Bilder an des Kaiser Friedrich Museum verkauft waren, errichtete Thiem zunächst einen Kursaal für Empfänge neben seiner Villa, und ließ diesen später umfangreich erweitern und von der Stadt Sanremo als Casino nutzen. So verwundert es auch nicht das zwischen dem 19. und 26 September 1920 die Allierte Siegerkonferenz von Sanremo in Thiems Casino stattfand. Dort wurde die isreaelische Besiedlung Palästinas beschlossen. Ein Land, das zuvor weder elektrifiziert war, noch mit Wasser versorgt wurde.  Auch hier witterte Thiem Möglichkeiten Anlagen von Thiem&Töwe an Mann zu bringen, schließlich war er mit einigen Teilnehmern der Konferenz auch befreudnet wie dem Earl of Poulett Hinton House. 
Durch die Nähe zum Kaiser konnte Adolph Thiem noch vor dem ersten Weltkrieg lukrative Aufträge für Thiem & Töwe auch an andere Herrscherhäuser vermitteln wie aus oben abgebildetem Prospekt von 1914 hervorging. Gerade das Rußlandgeschäft war ein lohnendes, da in einem Flächenland wie Rußland lange vor der Elektrifizierung staatliche Stellen mit Gas, Licht und Wasser versorgt werden mussten. Insbesondere die abseits liegenden Übergangsbahnhöfe, also dort wo die Züge auf das breitere russische Gleis versetzt wurden, fand man die Thiemschen Anlagen. Da in mehreren Quellen Adolph Thiem auch Baron Thiem genannt wird, aber der Titel Baron um 1900 nicht mehr verwendet wurde, konnte dies nur durch eine Ausnahme zustande gekommen sein, er wurde von Zar Nikolaus dem II geadelt. Da der Titel Baron nur vom baltischen Adel vergeben wurde.
Neben der Würdigung durch die Verleihung des preussischen Kronenordens lag eine Erhebung in den Adelsstand nur Nahe. Die Verschärfung des politischen Tons aus Berlin könnte ein Grund gewesen sein, warum Thiem schon 1892 Deutschland Richtung San Remo verließ. Die Figur Wilhelm der II war innerhalb der Verwandschaft in den Herrscherhäsuern Europas nicht sehr angesehen und dieser von Minderwertigkeitskomplexen beseelte Mensch herrschte nun. Er hatte auch einige unpopuläre konservative  politische Entscheidungen getroffen, was die Museen anging. Sicher erinnerte sich Thiem auch an den Fehlwuchs des Kaisers seit frühster Kindheit, wo beispielsweise frisch erlegte Hasen ausgeweidet wurde und der 15 cm kürzere Arm Wilhelms in dem Kadaver Wachstumsschübe versetzt werden sollten. [vergl. John C.G. Röhl:
Wilhelm. C.H. Beck 2013. S.12.]
In dem oben genannten Prospekt konnte Thiem & Töwe nicht nur mit direkt für die Kaiserliche Familie gebaute Anlagen werben, wie die für Prinz Eitel Friedrich von Preußen in dessen Jagdhaus "Esperort" auf dem Dars. Thiem und Töwe schmückte sich neben einer endlosen Liste von Ämtern im In- und Ausland auch für die kaiserlichen Amtsgerichte in Elsaß und Lothringen, das Militäramt in Metz, die russische Kadettenanstalt in Odessa und sagar das königlich serbische Kriegsministerium. Es schien fast so als sei der ganze erste Weltkrieg im Schein der mit Benoid-Leuchten geplant worden zu sein und zwar von allen Kriegsteilnehmern. Dies war den Inhabern der Fabrik wohl auch bewußt, ansonsten wären sie wohl kaum auf den Slogen gekommen"Benoid Gas ist international über die ganze Erde verbreitet" 

 Bis 1914 wurden 3000 Benoid-Gas-Anlagen verbaut, wie auch hier in der königlich  böhmischen Irrenanstalt Bohnice bei Prag. Tausende Anlagen hieß auch, diese mussten  versorgt werden mit Hexan, das die in Halle Saale ansässige Riebecksche Montanunion als Abfallprodukt bei der Öl- und Wachsproduktion in den Handel bringen konnte. Handelsname dieses Leichtbenzins war Gasolin, das spätestens ab 1920 als Warenname Einzug hielt.

Im Zuge der Elektrifizierung und dem immer preiswerterem Strom, kam es aber zu Auseinandersetzungen zwischen Thiem & Töwe und der Stadt Bad Berka. Um die 30-jährige Sperrfrist zu umgehen, kaufte die neugegründete Bad Berkaer Gaswerksgesellschaft das Gaswerk für die Stadt zurück, 1923 wurde die Produktion von Gasapparaten eingestellt, aber es gab längst neue Anwendungen wie Hydraulikteile für Flugzeuge und Autos.
Ältere Nachbarn in der Hordorfer Straße dem Sitz der Thiem&Töwe, erinnern sich noch, dass es ein paar alte Straßenlaternen mit Gaslicht gab, die von einem Beno bis 1985 betrieben wurden, so nannte Thiem seinen Verdichter. Diese Nachbarn hatten einen Trick drauf mit einem kräftigen Fußtritt an den Laternenpfosten das Gaslicht an- oder abzustellen. Damit kamen sie dem Mopedfahrer zuvor, der in Dämmerung und im Morgengrauen angeknettert kam und mit einem langen Haken jede Laterne einzeln dimmte oder erhellte. In den Laternen glimmte am Tag immer so ein Glühstrumpf. Wenn man den in geschlossenen Räumen  ausblies konnte man sich zurücklehen und langsam einschlafen, um nie wieder zu erwachen. So zum Beispiel zwei Lebensmüde in Franz Werfels Roman Abituriententag, der in der schönsten aller Städte, in Prag spielt.

2.2. Zur Kulturgeschichte des Gaslichts

Das die flakkernden Gaslichter ein immer wechselndes Lichtspiel in Räume brachte, inspirierte Autoren immerzu Geschichten rund um das Gaslicht zu schreiben, die auch in einer Groschenheftreihe mit dem Titel Gaslicht mündete und seit 1970 bis heute wöchentlich als Romantic Triller erscheint. Oft zierte diese Groschenheftchen eine Illustration eines einzeln stehenden Hauses das mit Gaslicht beleuchtet wurde und im Vordergrund die eine Frau, die meist um die Liebe ihres Lebens kämpfen muß. Die Kurzromane haben Titel wie "Haus der toten Bräute", "Nebelinsel" oder "Haus der Tränen". Aber auch bei Verlagen wie Suhrkamp erschienen Erzählungen in denen die Gasbeleuchtung beschrieben wurde.
In Hans Erich Nossacks Erzählung: Begegnung im Vorraum heißt es: "[...]Das Gaslicht puffte von dem Luftzug, dann zischte es wieder eintönig[...]" oder in Manfred Bielers DTV Ausgabe Matrose in der Flasche: [...]Wir standen im blauem Gaslicht[...]

Auch eine Fensehverfilmungen produzierte die ARD in den 70igern, ein Krimi mit dem Titel "Gaslicht" Anneliese Uhlig und Theo Lingen in den Hauptrollen. Natürlich sei auch die Ingrid Bergmann Kinoverfilmung erwähnt: "Gaslight" oder "das Haus der Lady Alquist". Da spielen tatsächlich die Gaslichter an den Wänden eine gewichtige Rolle - wenn sie flackern oder ausgehen, hat der Täter die Hand im Spiel. DasDrehbuch ging auf den Patrick Hamilton Roman zurück, der auch ein Schauspiel dazu 1939 in London uraufführte. 1976 gab es das Stück sogar als Hörspiel des Bayrischen Rundfunks. Bei all den kulturellen Erzeugnissen werden immer einzeln stehende Häuser beschrieben oder bespielt, die durch den wohligen Gaslichtcharme immer auch etwas gruseliges haben und für das wilhelminische oder viktorianische Zeitalter stehen. Für die Steampunkkultur ist das Gaslicht und alle Formen um diese Leuchter, Lampen oder dazugehörigen technischen Anlagen ein wichtiges Element ihrer Retro-Futuristischen Ansichten. Auch der Franzose  Saint Exupery in seinem Buch "Der kleine Prinz" greift das Gaslicht auf, in dem er seinen Protagonisten bei seiner reise auf den fünften Planeten auf den Laternenanzünder treffen läßt. Dieser klagt: "Ich tue da einen schrecklichen Dienst." Denn der Planet dreht sich immer schneller, kürzer sind Tage und Nächte, kürzerer sind daher auch die Folgen in denen er die Lichter löschen und anzünden muß. Seine Weisung sei schon alt und erfolgte, als sich der Planet noch langsam drehte. Trotzdem sagt er sich von der Weisung nicht lso und befindet sich im sprichwörtlichem Hamsterrad.

zur Vergänglichkeit des Kulturgutes Gaslicht


Jetzt verschrotteter Beno, zur Erzeugung von Gas zur Beleuchtung
Leider konnte ich in der Hordorfer Strasse 4 in Halle mit dem Gerät im Jahr 2010 nichts anfangen. Es war eine Art Fass mit Zahnrädern dran und Rohrzuleitungen, die ich kappte um dann alles zu verschrotteten. Damit verschwand ein Überbleibsel aus der Zeit der Gasbeleuchtung. Wo was war ist nichts mehr und wo nichts war, ist was. Aber diese Verluste sind System  Mindestens vier der von Thiem dem Berliner Museen vermachten Gemälde holländischer Meister verbrannten 1945 in einem Flakturm, wo sie in Sicherheit gebracht worden waren.
Es waren Kalfs Stilleben mit dem Nautilusbecher, Versproncks Bildnis einer jungen Frau, Backers Bildnis einer Greisin, P. Franchoys Bildnis eines jungen Mannes. Hedas Stilleben mit umgekippten Glas und Römerbecher. Die alten Meister waren damals out. Heute ist irgendwie die Moderne aus der Mode gekommen. Ich denke an den Abriß der Digitaluhr am Steintor in Halle, die ja aus der Produktion der Neontechnik stammte, nun ist die Zeit verschrottet und man hat seit 2009 wieder einen einen freien Blick vom Steintor auf den alten Wasserturm aus der Gründerzeit.

jetzt verschrottete Digitaluhr alles ist eben vergänglich und es ist immer 5 vor 12

verbranntes Bild mit Römer aus der Sammlung Thiem
Heda, Willem Claesz war ein Hauptvertreter
holländischer Meister der relativ monochromen Malzeitenstillleben des 17. Jahrhunderts

 
verbranntes Bild von Franchoys, Peeter aus dem frühen 17. Jhd.

verbranntes Bildnis einer Greisin von
Jacob Adriaensz Backer

Alles ist vergänglich auch die reich verzierten Prunkschalen und exotischen Früchte zeichneten Willem Kalfs Stillleben aus, die einen Einblick in den Überseehandel der Niederlande um 1700 gaben. Auch dieses Gemälde verbrannte 1945

Auf den folgenden  Bildern sind original Gaslampen zu sehen, die in Bad Berka eingesetzt wurden. Gegenstände die bei Ebay nicht einmal für den einen Euro Startpreis verkauft wurden. Aber was soll die nostalgische Wehmut wegen alter Lampen? Heute gibts LED Lichterketten und leuchtende Winkekatzen. Die Abbildung der alten Gaslaterne ist aus Gleiwitz

Aus dem Polytechnischen Journal von 1904 sind die Vorzüge von Thiem und Töwes Licht zu entnehmen: "Die Bedienung, die die Apparate verlangten, war eine sehr geringe; Nachfüllen des Hexans und Aufziehen des bei grösseren durch Motoren zu ersetzenden Gewichtes, was ohne Betriebsunterbrechung geschehen konnte, ist alles, dessen es bedarf. Die Betriebskosten waren gering; 1 cbm Gas kostete rund 10 Pfg. Die Kosten für die Anschaffung der Anlagen war ebenfalls gering. Es würde sich beispielsweise eine Anlage für einen Bedarf von 1000 Flammen die Anschaffungskosten für Apparate einschliesslich der Errichtung der Gebäude auf rund 25000 M. belaufen; eine Anlage für 20 bis 30 Flammen kostet rund 700 M. – Die Kosten für 50 Hefnerlichtstunden werden mit 1,2 Pfennig angegeben.


das die beiden Medien Gas und Strom konkurierten wird an den Reklamemarken sichtbar.













Die Familie Thiem hatte Verwandschaft in Gleiwitz in Schlesien, darum gab es auch dort die Benos aus Thiems Produktion

Zurück in das Jahr 2012, dort habe ich in der Villa beim Renovieren trotzdem die alten Rohrleitungen aus der Decke gucken lassen, die früher fürs Gaslicht da waren. Einen originalen Abstellhahn fürs Gaslicht gibt es auch noch, der nach früheren Normen in 1,50 Meter Höhe angebracht wurde. Interessant ist auch das die ersten Lichtschalter für elektrisches Licht komplizierte Federmechanismen waren. Mit diesen Drehschaltern aus Bakelit wählten die Hersteller eine Form um der Benutzung des Gaslichts oder den noch älteren Petroleumlampen nahe zu kommen, denn diese drehte man schon seit einem Jahrhundert an oder ab.




Die Logos mit T&T erinnern durch Form und Farbigkeit an die berühmte Heiratsurkunde der Kaiserin Theophanu mit Kaiser Otto II, aus dem Jahre 972. Genauer an das Eschatokoll oder das Monogramm am Ende der Urkunde. Bruno Thiem war zwar nicht der von Magdeburg aus regierende Kaiser aber zumindest Bürgermeister. Auch die Ausgrabungen im alten Byzanz und die persische Teppichsammlungen von Adolph Thiem finanziert und angelegt sind eine Paralelle zu der frühmittelalterlichen Heirat zwischen einer byzantinischen Prinzessin und dem Kaiser.

Diese Gasarmaturen baute Thiem und Töwe.

Wie erwähnt stellte abends ein Simson Motorrad Fahrer die Gaslaternen an und morgens ab. Bis die Laternen durch Betonmasten auf der anderen Strassenseite  und Dampflampen ersetzt wurden. Die Schinkel-Gaslaternen aus verziertem Gußeisen wurden nach Düsseldorf verkauft.  Mit der Abwicklung der Laternen-Geschäfte war die berühmt-berüchtigte Kunst- und Antiquitäten GmbH aus dem Imperium des DDR-Devisenbeschaffers Alexander Schalck-Golodkowski beauftragt. Dieser soll auch die Idee zum Verkauf von Tausenden Gaslaternen ins westliche Ausland gehabt haben. (Zit: der Zündfunke, 2009, S.9-10). Mit den elektrischen Lampen und den 1500 Watt kamen aber neue Probleme in die Stadt Halle. Denn die verbrauchten mehr Strom als die Leitungen hergaben und als dann noch zu Honneckers Besuch alles mit Neonreclamen erleuchtet werden sollte, stellte man kurzerhand das Licht auf der Magistrale aus um wenigstens an einem Abend den Boulevard komplett mit Reclamen zu beleuchten. Später gab es Abstell- und Leuchtzeiten.

Durch den Rückbau der Laternen beantwortet sich auch die Frage wieso in der Hordorfer Strasse nicht der Fußweg beleuchtet ist und man nachts zu Fuß unterwegs ständig über Katzen und Igel stolpert, die ihr Unwesen treiben. Dafür ist die Porphyrsteinmauer des Nordfriedhofs auf der anderen Strassenseite erhellt.
Ab 1923 baute die AG Andreas Haazzengier Kühler- und Apparate. Es gab einige Patente von Thiem&Töwe auf Maschinen, wie
mechanische und elektrische  Mühlen. Diese wurden wurden beispielsweise in der Vierteljahresschrift des Apotheker Vereins 1919 beschrieben. Ein Kassenschlager war die Drogenmühle "Titöha",  mit der in der 30iger Jahren viele Hersteller den Kautabak und stärkere Drogen zerkleinerten. In dieser Zeit kannte man die Realität der Wirtschaftskrise wahrscheinlich auch nur noch unter Drogen ertragen. Max Töwe verblieb nur noch kurz auf dem Gelände und brachte sich hier mit ein, bis er nach Italien ging und 1932 in Sizilien starb. Walther Thiem musste seinen Bruder  und seinen Vater 1923 zu Grabe tragen und verblieb dann in Starnberg im Haus seines Bruders, wo er wieder zu malen anfing.Walther Thiem arbeitete auch für IG Farben, die 1926 die Riebecksche Montanunion übernommen hatte, welche der wichtigste Handelspartner für Thiem & Töwe war, da er das Leichtbenzin für die Benoidapparate herstellte. Wieso Thiem und Töwe ab 1923 aus dem Betrieb ausschieden, läßt sich nur erahnen, wir haben die Zeit der Hyperinflation, der Reparationszahlung und des Niedergangs von Adel und Kaiser. Ab 1924 war Felix Rabe alleiniger Inhaber der Fabrik und warb mit der Hersetllung von Autokühlern. Damit war Thiem und Töwe von nun an ein Zulieferer für den Automobilbau.





Schreiben an die Stadt zur Genehmigung eines Ofens
1902 war Andreas Haassengier Besitzer und Gesellschafter, während Thiem & Töwe die Inhaber der Fabrik
waren, später war Adolph Thiem durch Aktienmehrheit Besitzer und Felix Rabe Inhaber, was einem Hauptmieter oder Fabrikdirektor entsprach. Alle kannten sich aus einem Fliegerverein namens Kaiserlicher Aero-Club, darunter auch Svend Olsen, der in Paris die Niederlassung leitete. Vergleiche hierzu Jahrbuch des Deutschen Luftfahrerverbandes 1914

 



Paul und Nanny Schiefer.
Anhand hallescher Adressbücher kann man auch ein Hausbuch für die Hordorfer Strasse 4 zusammenstellen und hier ist es auch schon:
Paul Schiefer (1882-1959) war  bis 1947 langjähriger Werkmeister bei Thiem&Töwe. In der Villa lebte von 1923 an bis zur Deportation eine jüdische Familie Sommer. Danach eine Familie Albrecht. Im Krieg gab es französische Kriegsgefangene, die in der Armaturenfabrik arbeiten musste Herr Sierk erinnerte sich, dass seine Mutter immer gegen die gewettert hatte, weil die im Gartenschuppen die Tulpenzwiebeln geklaut hatten um sich zu vergiften.

Dank an Herrn Uwe Sierk für die Bereitstellung alter Familienfotos und aufschlußreiche Gespräche. Die Bilder sind 1937 entstanden und zeigen den Hof noch mit dem parkähnlichen Garten. Als alles betoniert wurde, hängte sich der Gärtner auf, erzählte ein weiterer ehemaliger Werksangehöriger Herr K., der an die Orte seiner Jugend zurückkehrte. Dieser war 1950 Lehrling in der Zylinderschleiferei, die zwar dem Namen nach noch Thiem&Töwe hieß aber von einem Geschäftsführer Felix Rabe betrieben wurde.


Ostern 1937

Herr Uwe Sierk selbst 1942 im heutigen Raum 203, wo früher eine Wohnung war, musiziert heute 2012 eine Mädchencombo.







Mittelraum Villa Speisezimmer

Eingangsbereich Villa
bei dem Schrank handelt es sich eindeutig um den Grossen Danziger Prunkschrank aus Adolph Thiems Besitz, Nussholz mit Maserfourniren, der bei Lepkes 1896 nicht versteigert wurde. Auf
6 grossen, achteckigen Füssen das Untertheil mit vorspringendem
Seiten- und Mittelpfeiler. Das Obertheil zweithürig, mit 3 Pilastern
mit Engelkopfkapitälen und reichster, schöner Schnitzerei. Die
Füllungen allgemein hochgebuckelt, vielfach gekröpft und spitz aus-
laufend. Das Gesims kragt weit aus und ist kräftig profilirt. In
der Mitte eine grosse Kartusche, das von Putti flankirte Danziger
Wappen mit Krone. Darunter der Pelikan. 17. Jahrh. H. 225.
Br. 214. T. 75 cm. (Siehe Illustration.) Quelle: Textende




Ein Baker Gemälde ist zu sehen im 1.OG




Das Dichterkreiszimmer 1906



nochmal der Mittelraum ehemaliges Speisezimmer in der Villa





Innenraum und Grundriß in der Thiem Villa Halle 1906, Danke an die Nachfahren von Max Töwe und Herrn Walter Thiem, der
1972 in Starnberg Söcking in einem biblischen Alter von 101 Jahren starb. In der Villa waren vorallem die von Thiem zuerst gesammelten Bilder ausgestellt, nämlich die Künstler der Schule von Barbizon und deutsche Zeitgenossen wie Knauss. Diese waren zu der Zeit günstig im Kurs und es lohnte sich der Weiterverkauf nicht, auch weil Preussen als Kriegsgewinner von 1871 eine frankophobe Einstellung propagierte.


3. Neontechnik


Um einen Zeitensprung vom Gaslicht auf die Neonleuchten zu schaffen, beginne ich mit dem Goethe-Zitat: „Das Alte in Treue bewahren, das Neue mit Freude befördern". Hoffentlich kommt man nicht eines Tages auf die Idee an der Effizienz von Wachskerzen zu zweifeln und per Gesetz durch LED zu ersetzen. Das macht das Ausblasen der Lichter auf der Geburtstagstorte besonders schwer oder leicht, man zieht einfach den Stecker.
Oben auf dem Bild ist die berühmteste Neonreclame des VEB Neontechnik an der Autobahn A9 kurz vor der Elbbrücke. Die Wortschöpfung Plaste und Elaste ging in den Wortschatz ein, auch heute sagen viele Ostdeutsche noch Plaste statt Plastik. Prof I. Kühn aus Halle wollte sogar beweisen das sich in der Ex DDR eine eigene Sprache entwickelt hatte und zog unter anderem diesen semantischen Kleckerbissen hervor und ließ mich als damaligen Germanistikstudenten die DDR Literatur nach sprachlichen Inselbegriffen durchforsten.  Bundestagsaltpräsident Thierse, von Haus aus auch Germanist,  hielt jedoch in einer seiner Reden von 2012 hoch, das man die sprachlichen Unterschiede nicht betonen, sondern sich eher auf das Verbindende der gemeinsamen Sprache besinnen sollte. Trotzdem waren die weithin sichtbaren Buchstaben PLASTE einzeln 1,5 Meter hoch und wurden vom Schriftdesigner, S. Berthmann,  Mitarbeiter der Neontechnik
1978 entworfen, bis sie 1998 abgebaut wurden.
Doch wieder zurück zur Geschichte der Hordorfer Strasse 4
Auf SMAD Befehl wurde 1947 der Anbau an die Produktionshallen ganz im südlichen Teil des Grundstücks gebaut, wo heute der Hühnermanhattan Klub unten drin ist.
Die Schwermaschinen und Kräne die in den übrigen Werkhallen vorhanden waren wurden in der DDR enteignet, weil Haassengier für Nazis Flugzeugamaturen und Hydraulikteile und Kühler für Junkers Flugzeuge baute. Offiziell wurde 1953 am 26.03 VEB Elektrowaren gegründet und Thiem und Töwe am 1.4.1953 trat in Liquidation weil die Steuerbehörde das Betriebsvermögen pfändete. Später wurden die Anlagen ins Kombinat VEB Neontechnik eingegliedert. In den DDR Jahren hatte auch Neontechnik mit Flüchtlingen zu kämpfen, vorallem mit deren Abwesenheit, damit dass über Nacht wichtige Ingeneuere gen Westen flohen. Um dem entgegenzuwirken bauten die Verantwortlichen Mauern um das Fabrikgelände und stellte politisch Gefangene ein, die dann für IKEA Stehlampen bauen mussten. 
Diese Lampen wurde unter anderem in dem 1980 von AKA Elektric herausgegebenem Katalog abgebildet mit dem Hinweis das sie von der Neontechnik aus Halle sind. Zwei Jahre später erschienen die selben Lampen hübsch ansprechend aufgemacht im IKEA Katalog von 1982/83.
Das Land Sachen Anhalt informierte im Juni 2012 darüber, dass 1989 zur Wende 25 Gefangene der JVA Dessau zur Arbeit in der Neontechik untergebracht waren. Da sich keiner der Nachbarn an Gefangene erinnern konnte unter denen auch Werksangehörige waren, dauerte es eine Weile ehe ich dieses Rätsel lösen konnte. Der ehemalige Mitarbeiter Uwe Sonabend räumte ein, dass nicht nur für Ikea Küchenlampen gebaut und sogar in Halle endkonfektioniert wurden, sodern ebenso auch für Quelle, Horten und für die englischen Handelskette Tesko. Die Neontechnik hatte einen weiteren Betriebsteil in der Frohen Zukunft, die alte Lampenfabrik, dort lieferte ein ehemaliger Mitarbeiter öfter irgendwelche großen Tafeln aus, die dort von den Häftlingen entgegengenommen wurden. Nach der Wende wurden die Unterkünfte aus der Frohen Zukunft zurückgebaut und erst dann in der Dachetage in der Hordorfer Strasse 4 für afrikanische Asylbewerber genutzt, aber nur drei Monate, dann gab es eine Razzia wegen Drogen, behauptet ein Nachbar. 1991 versuchten die Mitarbeiter ihr florierendes Unternehmen selbst zu kaufen. Dazu kam es nicht. Die Neontechik bekam einen holländischen Investor und hieß dann Armada Neontechnik. Es schien laut einiger ehemaliger Werksangehöriger so, dass die mit Absicht die Fabrik an die Wand fuhren, damit sie anschließend die zuvor angeschafften Laser und Produktionsstrassen aus der Insolvenzmasse herauslösen konnten und schuldenfrei in einem neuen Betrieb zu verwenden. Wahrscheinlich war diese Behauptung nur eine Reaktion auf den Frust Ihrer Arbeitsklosigkeit. Denn der ganze Betriebsteil in der Hordorfer Strasse 4 wurde 1998 aufgegeben und vollständig am neuen Standort in Hohenturm ausgelagert. Ein Chef namens Urbscheid wohnte zu dieser Zeit noch in der Villa und hatte die Querelen nicht überlebt. Zurück blieb ein Graupapagei, der dann in die pflegenden Hände von Herrn Mohr, damals Hausmeister  kam, der heute fast 20 Jahre später immer noch ein kleines Lager für Hasendraht auf dem Gelände hat.

Um die Geschichte des Fabrikgeländes in der Hordorfer Strasse 4 abzurunden sei erwähnt dass zwischen 1961 und 1998 große Reclametraversen hergestellt wurden, die mit farbigen Neonbuchstaben ausgestattet wurden.  Auch für den Ostblock bis hin zu den Dachaufbauten vom Flughafen Moskau war diese Werbung wichtig. Ältere Nachbarn erinnern sich noch an die Bilder wie 40 Rotarmisten in seltsam anachronistischen Arbeitsbekleidungen in den 80iger Jahren den Rinnsteig tief wie einen Schützengraben aushoben um dort einen Telefondraht für Neontechnik verlegten, wahrscheinlich stand das im Zusammenhang mit den Aufträgen für die damalige Sowjetunion.   

Die gesamten Entwürfe, Blaupausen und Hektographenausdrucke befanden sich auf den Dachböden und wir überließen diese Unmenge von vollgerammelten Hundefänger voll  2011 dem Buchstaben Museum in Berlin, die sich mit der Aufarbeitung beschäftigen sollten. Ein Beispiel dafür war auch die Flughafen Aufbauten von Schönefeld. Aber auch die blauen Buchstaben für die Deutsche Bankfillialen und die BP Tanstellen wurden zunächst an den Lasern in der Hordorfer Strasse 4 hergestellt.
In den Wendejahren von 1987 bis 1991 zeugt ein noch vorhandenes Registraturbuch von den Aufträgen und vorallem Stornierungen.
Hier eine Auswahl:
Berlin: Rewatex Schriftzug, sowie die "Flinke Jette" am Kombinat Rewatex in Berlin gebaut zwischen Januar 1987 - Juni 1987



Cottbus: "Kammer der Technik" Cottbus zwischen 87 und 88



Saalfeld: Dachaufbauten, Digitaluhr, Doppellinse Zeiss und ein Roter Stern für das Kombinat Carl Zeiss Jena Betrieb Saalfeld zwischen April 1987 und Juli 1989 im Kombinat VEB Neontechnik entworfen und ausgeführt




Bautzen: Kaufhalle




Leipzig: Neon Werbung für VEB Fritz Heckert Werk Karl Marx Stadt auf dem Leipziger Hauptbahnhof "Partner auf 5 Kontinenten"




Ilmenau: VEB Technisches Glas und figürliche Darstellung in Ilmenau zwischen 87 und April 89 ausgeführt
ab 1987 etwa 100 Neonreclamen für die Olympischen Spiele Leuchtringe in Barcelona
Casablanca Marocko Firmenschriftzug Atlas 1987
Moskau: Werbung für Orwo Film 1987
Cottbus: Straße der Jugend KfZ Instandsetzung Figuren Schriftzüge
Torgau: Kaufhalle mit Würfel Wilhelm Pieck straße
Magdeburg: Volksbuchhandlung "Otto von Guericke" 87-89
Magdeburg: Hauptbahnhof Schriftzug fertig 88
Leipzig: VEB Kombinat Polygraph Schriftzug März 89 Johannisplatz Leipzig
Neues Deutschlang Schriftzug in Cottbus, Erfurt, Frankfurt/O, Halle, Magdeburg 1987/ Demontiert 1991
Eilenburg: Ost Lichtspiele fertig Oktober 1989
Arnsdorf: VEB Narva"Ro Lux" Leuchtenbau
Magedeburg: VEB Nachrichtenelektronik Lübecker straße 53 fertig im Oktober 1989
Leizig: Dewag Messe Kassetten 1989
Eberswalde: VEB Kranbau Dachanlage 1989
IFA Magdeburg

Die jüngste Geschichte begann 2004. Da wurde das fast leerstehende Objekt von einem Verein namens Kunstwerkstatte.V. wiederbelebt. Es zogen Kleinunternehmer ein, wie Boxenbauer, Autotuner, Orgelbauer oder Restauratoren. im Jahr 2012 waren alle vorhandenen Räume vermietet, die meisten Räume dienten jungen Leuten zum Musikmachen oder als Ateliers. Der neue Besitzer ist Gabriel Machemer, welcher das gesamte Glände an den gemeinnützigen Verein Hühnermanhattan verpachtet hat.


 Literatur und Quellen


Quelle zu Thiem: Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, Aufnahme-Nr. 2026_099.jpg Bestellanfrage senden Repro; Objekt 02530230 (Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie)


Die älteren Privatsammlungen in Berlin und die Bildung neuerer Sammlungen nach dem Kriege 1870/71 von W. v. Bode in: Der Kunstwanderer, 4 (1922), 1. Septemberheft, S. 7-8

Thomas Hermsen Sachbuch: "Kunstförderung zwischen Passion und Kommerz: vom bürgerlichen Mäzen zum Sponsor der Moderne"

Abbildung des Wohnhauses in: Architektonische Rundschau. Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst. , Tafel 46, Verlag: J. Engelhorn, Stuttgart, 1910

drei Mühlen von Thiem und Töwe in: Vierteljahresschrift des Deutschen Apotheker Vereins -Berlin Wilmersdorf 16. Jahrgang 1919

Thode, Henry: Paul Thiem und seine Kunst, G Grotesche Verlagsbuchhandlung Berlin 1921, enthält viele Informationen über den Vater Adolph Thiem


G. Lammel: Menzel und seine Kreise. Verlag der Kunst Dresden Basel 1993.  S 93

Sven Kuhrau: Der Kunstsammler im Kaiserreich. Kunst und Repräsentation in der Berliner Privatsammlerkultur. Ludwig, Kiel 2005, ISBN 3-937719-20-2.

Hinweis auf den Kronenorden 2. Klasse: http://www.smb.museum/fileadmin/website/Institute/Zentralarchiv/Die_Akten_des_KFM_Findbuch_Teil_2.pdf S. 29

Quelle zur Provenienz des Bildes Mann mit Stahlkragen: http://metmuseum.org/collections/search-the-collections/110001861

Quelle zu Thiems Mutter, Licht und Seifenhandlung
https://familysearch.org/pal:/MM9.3.1/TH-1961-32460-109-65?cc=2058582&wc=MM19-DQ6:1056981670

Quelle zu Thiems Auftrag der Wagnerbüste in Venedig; In: Thode, Henry: Paul Thiem und seine Kunst, Leipzig 1921 und hier im Bildindex 
http://www.bildindex.de/obj02520859.html#|home

Quelle zu Görings Raubkunst aus der Sammlung Thiem: http://www.dhm.de/datenbank/goering/dhm_goering.php?seite=6&fld_11=Slg.%20Thiem%20/%20San%20Remo&fld_11_exakt=exakt&suchen=Suchen

Quelle zur Provinienz des Bildes "Reisepläne" von A. v. Menzel: 
http://collection-online.museum-folkwang.de/eMuseumPlus;jsessionid=5B416333902A2F5270001CD88C56BB4C.node1?service=direct/1/ResultDetailView/result.tab.link&sp=13&sp=Scollection&sp=SelementList&sp=0&sp=0&sp=999&sp=SdetailView&sp=0&sp=Sdetail&sp=1&sp=T&sp=0&sp=SdetailList&sp=0&sp=SdetailBlockKey&sp=3#
 
Quelle zu den Orten, wo Benoidgasanklagen verbaut wurden: http://www.dhm.de/datenbank/img.php?img=03615423&format=1

 

 

 

Ingeborg Gaisbauer, Christine Ranseder, Sylvia Sakl-Oberthaler, Heike Krause: Licht & Wärme: Beleuchtung und Heizung im Wandel der Zeit. Wien. Phoibos-Verlag;  1. Auflage 2008


N.N.: Deutsch-Russischer Übergangsbahnhof, Skalmierzyce. (Aus: Atlas zur Zeitschrift für Bauwesen, hrsg. v. Ministerium der öffentlichen Arbeiten, Jg. 57, 1907)

"Der Benoid-Gasapparat der Fa. Thiem & Töwe". Deutsche Landwirtschaftliche Presse, 33. Jahrgang 1906

"Der Benoid-Gasapparat der Fa. Thiem & Töwe". Zeitschrift für Naturwissenschaften. Band 76, Verlag Naturwissenschaftlichen Vereins für Sachsen und Thüringen, 1903,

HEIDI Heidelberger historische Bestände. Datensammlung. In: Rudolph Lepke's Kunst-Auctions-Haus Berlin (Hrsg.): Sammlung des Herrn Adolph Thiem Berlin 1896


Plaste und Elaste (Autorenkollektiv), Leuchtreklame in der DDR. Verlag: Das Neue Berlin; Auflage: 1 2010

Kreutzer, Dietmar: Lichter des Ostens. Verlag: Books on Demand GmbH; Auflage: 1 2002
 
Hella Tänzer: Es war einmal …vor 100 Jahren in Berka. Amtsblatt der Stadt Bad Berka, 06/06, 3. Juni 2006

ELEKTROTECHNIK - AKA Electric - Narva-Wohnraumleuchten - Orig. Katalog (1980)AKA Electric VEB Kombinat Narva Berlin (Hrsg.): AKA Electric - Narva-Wohnraumleuchten - Katalog - 3-sprachig (deutsch, englisch, französisch). 126 Seiten

DER ZÜNDFUNKE Das Gaslaternen-Journal 

Nummer 11 Ausgabe 11/2009 Jahrgang 2; S 9-10

 

 
 
 

 

 

 
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  Produzentengalerie
In der ehemaligen Villa ist die Galerie, die insbesondere den Künstlern offensteht, die ihr Atelier im südlichen Teil der Gebäude bezogen haben. Aber auch Studenten der hiesigen Kunsthochschule nutzen die unkomplizierten Bedingungen Studienprojekte durchzuführen, so entstanden 2009 und 2010 bereits 3 Filme von Aktionen sowie Fotosessions. Die Bühne steht einer Theatergruppe zur Verfügung, die David Richter betreut
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  Dichterkreis
Seit 1991 trifft sich der Hallesche Dichterkreis aller 14 Tage. Seit 2 Jahren hat die Gruppe für ihre Schreibwerkstatt einen repräsentativen Raum in der alten Fabrikantenvilla. Zum engen Zirkel gehört Marina Zyhlke, Christian Kreis, Christine Hoba, Markus Klugmann, Marco Organo, Simone Trieder und Gabriel Machemer.Zahlreiche Gedichtbände und Prosastücke bis zu ganzen Romanen sind in der Entstehungszeit in diesem Zirkel regelmäßig besprochen wurden. Die Arbeitsweise des Kreises besticht dadurch, dass die textimmanente Kritiken sich vorrangig auf das vorhandene Textmatrial beziehen. Darin unterscheidet sich die literarische Arbeit des Wilhelm Bartsch Kreis im Künstlerhaus 188, wo oft aussenstehende Texte in Bezug gesetzt werden und eher eine vergleichende komperative Textkritik stattfindet. Daher werden von Einigen beide Zirkel besucht, die sich sowohl die Literaturanregungen bei den einen abholen, als auch sich den fast sezierenden Untersuchungen des Dichterkreises unterziehen
  Bandproberäume und Künstlerateliers
Die weitaus meisten Mieter sind Bands, die für kleines Geld eigene Räume in den Gebäuden bezogen haben.
Dazu zählen Lick Quaters, Blue Rising Sun, Stereo Idols, Action Connection, The Cocks oder Combojage
Aber auch Künstler sind auf dem Gelände vertreten wie Lars Peterson, Raum 209, Gabriel Machemer, rechts oben in der Villa, Eckard Röber, Saal 113, Ronald Gruner 207, Andreas und Robert Kotsch 206 und 208 Frederike Vogelmann Keramikatelier Raum 20 Hinterhof
-Donata Hillger Malatelier
  AGB s
1. Hühnermanhattan Klub haftet nicht für Schäden und Kosten illegal geklebter Plakate. Wir untersagen allen Beteilligten Veranstaltern Plakate an nicht erlaubten Stellen zu kleben.

2. Hühnermanhattan kooperiert mit externen Veranstaltern, tritt jedoch als Gastgeber auf, was die Abrechnung der Musikaufführungsrechte erleichtert.

3.Die Veranstalter sind verpflichtet gegebenfalls zusätzliche Genehmigungen für Veranstaltungen einzuholen. Der Klub ist auf 10 Veranstaltungen pro Monat ausgelegt und wird Pauschal mit 21 Veranstaltungen bei der GEMA abgerechnet.

4.Wird der Eintritt teurer als 5 Euro für Konzerte mit Disko ist der kooperierende Veranstalter verpflichtet die Gema selbst anzumelden. (10% der Eintrittsgelder oder eine Liste mit der Gemafreien Musiken vorzulegen. Interpreten und Komponisten müssen reale Personen sein, die ggf. bezeugen können, nicht bei der Gema zu sein)

5. Besucherzahlen dürfen nicht 200 überschreiten, die Überfüllung wird durch die Securityfirma "Protect" verhindert.
  Werkstätten und Tanzstudio
-Orgelbauwerkstatt Thomas Schild

-Holz und Möbelrestauratorin Kerstin Klein

-Musikerboxenbau www.Hirschfelder.net

-Messebau und Design Hanke und Schwandt

-Holzgestalter Matthias Karste

-Messebau Sehnses da hastes

-Tanzbetrieb Ort für zeitgenössischen Tanz und Kurse

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